AERTravel Blog - Abschied von Indonesien

Abschied von Indonesien

Abschied von Indonesien

29.03.2015 19:07

AER Traveller Dirk im Erfahrungsaustausch mit indonesischen Consolidators


28.03.

Guten Morgen ihr Lieben zu Hause, die ihr mich so treu in Gedanken meine gesamte Reise über begleitet habt!

Es ist frühmorgens hier in Yogyakarta, ich genieße zum letzten Mal ein liebevoll zubereitetes und opulentes Frühstück (übrigens obligatorisch und selbstverständlich in jeder meiner Unterkünfte; ob billigst oder teurer...).



Kleine Gasse in Yogyakarta

Den gestrigen, letzten vollen Tag dieser meiner abenteuerlichen und unvergesslichen Reise nutze ich noch in vollen Zügen aus:

Zunächst fuhr ich mit einem Taxi in den äußersten Norden von Jogja, um die Firma "TRAVELlNDO" zu besuchen. Wie ich euch bereits aus Manado über die Reisegepflogenheiten der Indonesier im Allgemeinen berichtete, gibt es nur sehr wenige Vollreisebüros, bzw. Veranstalter, die im entferntesten mit unserem Begriff "Consolidator" oder Airline Wholesaler in Verbindung gebracht werden können. Mir sind mittlerweile drei dieser Firmen namentlich bekannt, nämlich besagtes "Travelindo", dann noch "Traveloka" und "Linetiket" (die Firma schreibt sich tatsächlich ohne „c“ in "ticket", das entspricht der indonesischen Schreibweise).

Über diese Firmen lassen sämtliche Reiseagenturen landesweit ihre Anfragen bezüglich Flugtickets abwickeln, die über den reinen indonesischen Domestik-Flugverkehr mit den bereits erwähnten Low Cost Carriern hinausgehen. Die "gewöhnliche" indonesische Reiseagentur beschränkt sich in der Regel auf den eigenen Zugriff zu den Internetseiten dieser "ticketless Carrier" wie z.B. Lion Air, Sriwijaya Air, Wings Abadi, etc. Ansonsten verfügt kaum eines der Reisebüros über Zugang zu einem der bei uns üblichen Reservierungssysteme, geschweige denn über eine IATA-Lizenz. Diese haben nur die o.g. Unternehmen, deshalb kommt diesen eine Schlüsselfunktion bei der Abwicklung und dem Handling des internationalen Verkehrs zu, sowohl incoming wie auch outgoing.

Ihr könnt euch vorstellen, dass die organisatorische Abwicklung einer Fluganfrage, oder z.B. einer Gruppe, die aus Jakarta nach Europa fliegen möchte, und dies über ein Reisebüro in, sagen wir z.B. Manado abwickeln möchte, sehr zeitaufwändig, und oftmals auch ziemlich frustrierend sein kann, wie mir schon Mrs. Laya von "Bunaken Tours" in Tomohon berichtete (siehe auch dort in meinem Bericht aus Sulawesi).

Travelindo ist in einem kleinen, unscheinbaren Haus unweit der hiesigen Universität untergebracht. Es gibt einen großen, zentralen "Schalterraum" für alle Bedürfnisse des Reisens, Ticketcounter Domestik und International getrennt, Fährtickets und einen Hotelcounter. Zu Ihrer Funktion als Tickethändler betreut Travelindo in diesem Raum auch die Laufkundschaft, bzw. Direktkunden.

Zudem kann man als (ausländischer) Direktkunde auch Touren und Packages im ganzen Land buchen. Somit fungiert Travelindo auch noch ganz nebenbei als Touroperator.

Die beiden Manager, die ich interviewen durfte, Mr. Alit Artanta (Supervisor Ticketing) und Mrs. Wiviek Setiyanti (Supervisor Tour Staff) berichteten mir, dass man erst seit ca. fünf Jahren überhaupt in Indonesien Tickets per Internet buchen kann, und dass dies bisher erst ca. 5% der Reisenden in Anspruch nehmen. Sei es aus mangelnder Kenntnis, fehlender Internetanbindung (besonders in Regionen außerhalb der Großstädte und fernab von Java oder Bali), oder sei es, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz der Bevölkerung über einen eigenen PC verfügt. Also werden auch die Tickets der Low Cost Carrier über Reiseagenturen erworben. Die Agenturen wiederum bedienen sich der individuellen Freischaltung auf den Internetseiten der jeweiligen Airlines. Travelindo selber wickelt das eigene Fluggeschäft mit den Trunk-Carriern über das System "Abacus" ab. Sabre, Galileo oder Amadeus sind nicht gebräuchlich.

Ich führte für die beiden Kollegen eine Unternehmenspräsentation unserer Firma durch, erläuterte unsere Buchungsabläufe und stellte ihnen unsere Datenbank sowie den Farewizard vor, für Reiseagenturen ohne Anbindung an offizielle Reservierungssysteme gedacht.

Die beiden und ich hatten viel von diesem allgemeinem Informationsaustausch und würden das perspektivisch gerne regelmäßig wiederholen. Denn genauso, wie unser Unternehmen daraus Gewinn ziehen könnte, einen unkomplizierten Zugang auf den riesigen indonesischen Domestik-Flugmarkt zu bekommen - dieser Zugang ist in der Regel für ausländische Firmen sehr limitiert und äußerst kompliziert, einzig Garuda ist in den geläufigen CRS/GDS reservier- und ausstellbar, und dies zu exorbitanten Preisen (dabei denke ich insbesondere an unsere zahlreichen Asienveranstalter-Agenturen, denen wir eine Plattform für solche Fluganfragen bieten könnten) -, so wäre andererseits natürlich auch für indonesische Wholesaler wie Travelindo, die im Outgoing- Sektor auf eine reisefreudige und durch die erstarkende Mittelschicht immer größer werdende Zahl potentieller Kunden zurückgreifen könne, ein Zugang zu unseren (Consolidator-)Tarifen weltweit von Nutzen. Indonesien ist mit über 240 Millionen Einwohnern die immerhin viertbevölkerungsreichste Nation der Welt!

Das Interesse an unserer Datenbank war enorm, und immer wieder hörte ich durch, dass es einen immensen Bedarf an Tarifen ex Indonesien nach Europa und Amerika gibt, der durch die ausschließlich buchbaren "official Fares" in den Reservierungssystemen nur sehr mangelhaft befriedigt werden kann. Hier sehe ich ein großes Potential für eine Zusammenarbeit.

Nach diesem lehrreichen Besuch bei Travelindo kehrte ich in die Innenstadt zurück, um mir noch einige kulturelle Highlights von Yogyakarta anzuschauen. Leider hatte ich etwas Pech mit meinem Vorhaben, den Kraton, d.h. den berühmten Sultanspalast und die anschließenden Museen zu besuchen. Es war Freitag und an diesem Tag sind fast sämtliche öffentlichen Einrichtungen und Museen geschlossen. Allerdings kam mir das nicht ganz ungelegen. So hatte ich viel Zeit und Muße, ganz ohne Druck und Zeitplan noch ein paar Stunden durch die Stadt zu schlendern. Ich besuchte die "Yogyakarta school of arts" die nur freitags für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Dort ließ ich mir von Dozenten und Schülern die Kunst des Batikens erklären, ein von der UNESCO ausschließlich für Indonesien erklärtes Weltkulturgut.



Schülerinnen der Yogyakarta school of arts

Yogyakarta ist eines der Zentren für Indonesische Batikkunst. Es ist schon sehr beeindruckend und faszinierend, wie aufwändig und zeitintensiv die Erstellung von Batikobjekten ist, seien es traditionelle Kleidungsstücke wie Sarongs oder Schals und Hemden, oder auch Gemälde und großformatige Reliefs.



Beeindruckend: Batikarbeit in Indonesien

Anschließend stattete ich noch dem Fort "Fredeburg" einen Besuch ab, einem bedeutenden Ort der jüngeren indonesischen Geschichte, insbesondere für den Zeitraum der Erlangung der Unabhängigkeit von Holland von 1945 bis 1953.

Auch dort hatte ich wieder viele nette Kontakte mit Menschen, wie z.B. mit zwei Schulmädchen, die mich um ein Interview baten, zum Thema Höflichkeit, Umgangsformen und "no gos " im zwischenmenschlichen Miteinander in Deutschland.



Sateverkäuferin

Zwischenzeitlich hatte es angefangen zu regnen und zu gewittern, wie im übrigen an jedem meiner Tage auf Java, eine für mich willkommene Abkühlung und Erleichterung. So machte ich mich dann auch mit einer Fahrradrikscha, die gegen den prasselnden Regen mit einer Plastikplane bedeckt wurde, in Richtung Guesthouse auf.

Abends hatte ich dann im Hostel bei einem kühlen Glas Bier noch ein langes und anregendes Gespräch mit einem Mitreisenden aus Surinam und dessen Freundin, einer Holländerin, deren Familie aus Yogyakarta stammt, und die sich auf einer Art Familien-Forschungsreise zurück zu ihren Wurzeln befand.

Für heute soll es das gewesen sein, das nächste Mal werdet ihr mich wohl erst wieder aus der alten Heimat hören.

Gute Nacht, Selamat Malam


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