AERTravel Blog - Unterwegs auf Java

Unterwegs auf Java

Unterwegs auf Java

27.03.2015 22:55

AER Traveller Dirk ist verzaubert von der Pyramide in Borobudur


Gestern Abend habe ich nun schon die letzte Station meiner Reise erreicht, Yogyakarta. Oder auch Jogjakarta, beides ist geläufig und korrekt.
Die Stadt ist laut, chaotisch, nicht gerade eine Schönheit. Zugleich jedoch auch bunt, freundlich und lebendig.

Zunächst möchte ich jedoch noch gerne von meinen letzten Tagen in Borobudur berichten :

Die erste Nacht verbrachte ich in der Campaka Villa, einem noch ziemlich neuen Guesthouse in Borobudur. Ich war dankbar, so kurzfristig von einem Tag auf den anderen noch eine Unterkunft in Borobudur von Ambon aus buchen zu können. Die Mitarbeiter waren wie eigentlich immer während meiner gesamten Reise, ausgesprochen herzlich und hilfsbereit.

Am nächsten Tag zog ich um in mein eigentlich gebuchtes Domizil, dem Efata Homestay direkt im Dorf, fünf Minuten vom Eingang zum Borobudur Tempel gelegen.

Mr. Ika und seine Frau Yani samt kleinem Sohn betreiben das Guesthouse, sie haben drei Gästezimmer, angelegt um einen tropischen Garten, gegenüber wohnt der Bruder samt Familie, daneben die Mutter von Ika. im Garten spielt sich das ganze soziale Leben ab.



Im Garten des Efata Homestay

Wie der Name Homestay schon ausdrückt, wohnt man bei und mit der Familie. Die Familie Efata kümmerte sich so liebevoll und emsig um mich, ich fühlte mich vom ersten Moment an tatsächlich wie zu Hause. Es gab Obst direkt von einem der Bäume, die oberleckeren Rambutan (ähnlich wie Lichies) oder die Snakefruit, deren Schale tatsächlich einer Schlangenhaut zum Verwechseln ähnlich sieht.



Sieht gefährlich aus, ist aber superlecker: Rambutan Frucht

Ich machte es mir auf der Terrasse bequem, hielt ein längeres Pläuschchen mit Ika über seine Idee und das Konzept des behutsamen Tourismus und der Wahrung der Authentizität des Dorflebens für die Besucher und die Menschen die hier ansässig sind. Und dass die Dorfbewohner partizipieren an den Einnahmen des Tourismus im und um den Tempel herum, was beileibe nicht selbstverständlich ist.

Am nächsten Morgen machte ich mich zum Tempel auf. Ich muss meine vorherigen Ausagen korrigieren, dass es sich bei Borobudur um eine ganze Tempelanlage handelt. Es handelt sich vielmehr um einen einzigen Tempelkomplex.

Ich zitiere hier aus Wikipedia: "Die kolossale Pyramide befindet sich rund 50 Kilometer nordwestlich von Yogyakarta auf der Insel Java in Indonesien. Borobudur wurde 1991 von der UNESCO als Weltkulturerbe anerkannt. Sie gilt als das bedeutendste Bauwerk des Mahayana-Buddhismus auf Java.

Gebaut wurde die Stupa vermutlich zwischen 750 und 850 während der Herrschaft der Sailendra-Dynastie. Als sich das Machtzentrum Javas im 10. und 11. Jahrhundert nach Osten verlagerte, geriet die Anlage in Vergessenheit und wurde von vulkanischer Asche und wuchernder Vegetation begraben. 1814 wurde sie wiederentdeckt, aber erst im Jahr 1835 brachten Europäer sie wieder ans Tageslicht. Ein Restaurierungsprogramm in der Zeit zwischen 1973 und 1984 brachte große Teile der Anlage wieder zu früherem Glanz.

Insgesamt neun Stockwerke türmen sich auf der quadratischen Basis von 123 m Länge. An den Wänden der vier sich stufenartig verjüngenden Galerien befinden sich Flachreliefs in der Gesamtlänge von über fünf Kilometern, welche das Leben und Wirken Buddhas beschreiben. Darüber liegen drei sich konzentrisch verjüngende Terrassen mit insgesamt 72 Stupas, welche die Hauptstupa von fast 11 m Durchmesser umrahmen.

Borobudur ist nicht nur ein einzigartiges religiöses Denkmal, sondern auch eine wichtige Quelle für Informationen zur javanischen Geschichte. Die dargestellten Personen, ihre Kleidung, Häuser, Wagen, Schiffe, Geräte, Instrumente, Tänze etc. zeigen das höfische und bäuerliche Leben im Java des 9. Jahrhunderts, wie es sonst nirgends dokumentiert ist."

So, nun wieder ich : ;-)

Am Fuß der Pyramide sprachen mich zwei junge Mädchen an, die ein Praktikum als Guide von ihrer Schule für Tourismus in Yogya aus absolvieren und sie fragten mich, ob sie mich begleiten und etwas über den Tempel erzählen dürften. So erklommen wir gemeinsam den Tempel bis zur obersten Zentralstupa und die beiden Reiseführerinnen in spe erklärten mir einige der Reliefs an den Außenwänden. Um ehrlich zu sein, habe ich davon nicht viel behalten, da ich Schwierigkeiten hatte, das Englisch der beiden Damen zu verstehen. Sie waren jedoch so nett und charmant bemüht, dass ich sie auch entsprechend gut entlohnte.



Meine charmanten Begleiterinnen beim schweißtreibenden Aufstieg

Oben angekommen, verabschiedete ich mich von meiner netten Begleitung und genoss das Panorama über die liebliche Javanische Landschaft und die umgebenden Bergmassive und Vulkane...

...und schwitzte mich schier zu Tode, T-Shirt und Hose klebten zum Auswringen an meinem Körper.... Jede noch so kleine Bewegung erforderte große Anstrengung in der sengenden Sonne und bei der enormen Hitze. So machte ich mich ganz langsam auf den Abstieg, indem ich jede Stufe des Tempels umrundete und die Reliefs an den Wänden auf mich wirken ließ. So brauchte ich zwei Stunden zum Abstieg, nahm dafür aber die Umrundungen der Pyramide wie eine Art Meditation wahr, eine sehr nachhaltige und eindrückliche Erfahrung.



Leben auf Java im 9. Jahrhundert (Relief am Tempel)

Danach besuchte ich noch die sich im Tempelpark befindlichen archäologischen Museen, dankbar für jedes bisschen Schatten, welches ich ergattern konnte.

Zum Schluss erklomm ich tatsächlich noch den Puncak Dagi, einen Hügel gegenüber des Tempels, von dem aus man einen herrlichen Blick auf die gesamte Anlage genießen kann.



Blick auf Borobudur

Den Rest des Tages ruhte ich mich aus und genoss die Ruhe und den Garten meiner Unterkunft.

Am nächsten Morgen, nach einem köstlichen Frühstück, lud mich Ika noch zu einer Spritztour in die Umgebung mit seinem Motorrad ein. Zunächst besuchten wir den Mendut-Tempel, der noch älter als der Borobudur Tempel ist, und in dessen direkter Nachbarschaft gerade aktuell ein ganz neu entdeckter zweiter Tempel ausgegraben wird.

Im Inneren des Mendut-Tempels befindet sich die größte, in Indonesien erhaltene Buddhafigur, umrahmt von zwei kollosalen Boddhisatwa-Figuren.

Ika erzählte mir anhand einiger Reliefs an der Außenseite des Tempels einige Legenden, die sich um das Leben und Wirken Buddhas ranken und märchenhafte Parabeln und Weisheiten des damaligen Javanischen Alltagslebens. Sehr spannend und faszinierend, einen Einblick in die Bedeutungen dieser Bilder und Reliefs zu bekommen.

Anschließend fuhren wir durch einige der umliegenden Dörfer, besuchten eine kleine traditionelle Manufaktur zur Tofuherstellung und einen alten Mann auf einem Gehöft, der noch in Handarbeit köstlichen braunen Zucker aus Bambus herstellt. Er lebt mit seiner Frau noch in einem der selten gewordenen und antik wirkenden Häuser ganz aus Bambusgeflecht errichtet.

Wir beobachteten Reisbauern beim Dreschen und Flegeln der schon reifen Reisernte, alles mühsam mit der Hand und in der sengenden Sonne, was für eine extrem harte Arbeit für ein paar Handvoll Reis. Ich war völlig überwältigt. Die Menschen hier auf dem Land arbeiten sehr hart und beschwerlich für ihr geringes Auskommen.



Mühsame Arbeit: Reisbauer beim Dreschen

Diese Tour wird mir ebenfalls in ewiger Erinnerung bleiben, ich bin tief beeindruckt von Land, Leuten und Kultur hier in Zentraljava.

Nach einem wehmütigen Abschied von Ika und seiner Familie, inclusive obligatorischer Erinnerungsfotos, brachte mich der selbe Mann, der mich schon vom Flughafen nach Borobudur gefahren hatte, nach Jogjakarta. Hier hatte es wohl kurz vorher ein böses Unwetter gegeben. Straßen waren überflutet, Bäume umgestürzt... Im Guesthouse angekommen, erfuhr ich, dass seit Stunden die Elektrizität im Viertel ausgefallen war, ebenfalls verursacht durch einen auf die Hauptleitung umgestürzten Baum. Später abends konnte die Stromversorgung dann wieder hergestellt werden.


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