AERTravel Blog - Endlich auf Java

Endlich auf Java

Endlich auf Java

23.03.2015 22:33

AER Traveller Dirk reist von Ambon nach Yogyakarta


Selamat Datang di Borobudur Java Tenggah!

Ich sitze im Garten meiner schönen neuen Behausung in Borobudur, Provinz Zentral Java.

Dieser Reisetag hatte es echt in sich, bin seit nunmehr 5 Uhr Ambon-Zeit auf den Beinen. Zwischen Ambon und Java liegen zwei Zeitzonen, hier ist es jetzt 17 Uhr, auf Amon bereits 19 Uhr, also bin ich jetzt seit 13 Stunden "on the road" , oder besser gesagt auf dem Flug zwischen Ambon und Yogyakarta (korrekter Jogjakarta, man spricht auf Indonesisch das J wie ein "dsch", das Y wiederum wie ein J , es heißt aber "Dschogdschakarta", oder kürzer : Jogja)

Ich habe meine Entscheidung, meinen Flug hierher spontan auf heute zu verlegen und den "Abflug" von Ambon zu machen, nicht bereut.

Gestern Nachmittag war ich mit Dave verabredet, dem überaus netten und charmanten Rezeptionisten aus meinem Hotel. Er musste bis 15 Uhr arbeiten, danach versuchten wir, da ich Hunger hatte, irgendein offenes Restaurant aufzutun. Da war aber leider absolute Fehlanzeige. Die Stadt macht sonntags komplett die Schotten dicht. Ein sehr merkwürdiger kurzer Besuch in einem Karaoke-Etablissement entpuppte sich für mich als echter Kulturschock. Dave wollte mir einen Gefallen tun, da mir viel zu heiß war und ich etwas essen wollte. Also gingen wir in diesen merkwürdigen Karaoke-Club. Dieser besand aus langen dunklen Fluren, verteilt auf vier Stockwerke, daran liegend Dutzende von dunklen Kammern, ca. 2 x 2 Meter groß, schallgedämft und ohne Tageslicht. Mit einer Bank, einem Tisch und einem riesigen Fernseher . Dort schließt man sich dann ein, singt mit Freunden oder der Familie im Schein einer Neonröhre an der Decke und kann sich Snacks oder Getränke servieren lassen. Trotz Schalldämpfung herrscht auf den Fluren ein ohrenbetäubender Krach von voll aufgedrehten Karaoke-Anlagen aus den verschiedenen Gummizellen. Minimum-Mietzeit für den Verschlag sind zwei Stunden. Für mich war dieses Etablissement ein echter Albtraum. Ich wollte nur noch raus dort, und zwar so schnell wie möglich. Dave war völlig erstaunt und pikiert, dass ich mich dort nicht wohlfühlte und es mir nicht für den Reste des Sonntages dort gemütlich machen wolle. Ich konnte ihm nur mühsam verständlich machen, dass dies nicht unbedingt der europäische Weg ist, einen gemütlichen Sonntagnachmittag bei strahlender Sonne und Wärme zu verbringen. Ich hatte da eigentlich eher an einen Strand gedacht, eine Bar, ein kühles Bier, Wasser, etc.

Nach einigem Hin und her nahmen wir uns ein Taxi, welches uns für einen sagenhaft hohen Preis nach Natsepa brachte, einem öffentlichen Badestrand, einige Kilometer außerhalb von Kota Ambon. Dort gab es eine Kaimauer am Wasser, keinen Strand, dafür aber Dutzende von Essständen und Hunderte von Menschen, die sich irgendwie um die Stände drückten und auch ein paar Kinder im Wasser.



Am Strand außerhalb von Kota Ambon

Nach einem Kopi (einem auf türkische Art aufgebrühtem Kaffee), lauwarm und mit Wasser von sehr zweifelhafter Herkunft zubereitet, den ich dann doch lieber halbvoll stehen ließ, und dem Genuss irgendeiner undefinierbaren Gelleemasse, eingewickelt in Bananenblätter, machten wir uns auch schon wieder gen Ambon City auf. Mein Bedarf an Ambon war für den Tag eigentlich völlig gedeckt. Mit demselben Taxi, das die Stunde auf uns wartete, fuhren wir in die Stadt zurück. Dave hatte dann die gute Idee, zur Monumentalstaue der Inselheiligen "Martha Christina" zu fahren. Sie thront oberhalb von Ambon auf einem Berg, von dort hat man einen wirklich schönen Blick auf die Stadt und die Bucht von Ambon. Der erste wirklich schöne Ort, den ich in Ambon-Stadt zu sehen bekam. Dort gibt es auch ein kleines, nettes Open-Air Restaurant, wir aßen eine Kleinigkeit und machten uns dann mit einem Minibus-Taxi wieder in die City auf, wo ich mich von Dave verabschiedete und ins Hotel zurückging. Die gemeinsamen Stunden mit Dave haben mir den Tag wirklich leicht und erträglich gemacht, seine nette und freundschaftliche Art und sein Bemühen, mir eine nette Zeit zu bereiten. Aber einen weiteren Tag wollte ich wirklich nicht in Ambon verbringen.

So war ich richtig happy, als mich Mr. Michael heute Morgen vom Hotel abholte und zum Flughafen brachte. Eine immerhin einstündige Fahrt rund um die Bucht von Ambon herum. Luftlinie sind das quer über das Wasser vielleicht 5 Kilometer, aber man muss mit dem Auto ca. 45 Kilometer um den ganzen Pudding herumfahren, eine Brücke ist seit 10 Jahren in Bau, die Fertigstellung steht in den Sternen.

Nochmals zu Mr. Michael: Er ist wirklich ein Genie und wird zurecht der "Ambassador" von Ambon genannt. Er kann (fast) alles organisieren, inclusive Fähr- und Flugtickets, selbst wenn offiziell alles ausgebucht ist (siehe auch meinen Trip auf die Banda-Inseln). Wenn es jemanden von euch nach Ambon verschlagen sollte (und das ist sehr wahrscheinlich, wenn man sich auf der Durchreise zu den Bandas, nach Papua, den Kei-Inseln, den Südmolukken etc. befindet, Ambon ist schlichtweg DIE Drehscheibe für diese gesamte Region) versäumt nicht, mit ihm Kontakt aufzunehmen. Er hilft euch wirklich weiter und organisiert alles, was in seiner Macht steht. Ihr findet ihn an seinem Schalter in der Ankunftshalle am Flughafen. Dieser Mann ist wirklich mit Gold nicht aufzuwiegen! Völlig zu Recht hat Ihm der "Lonely Planet" in seiner Indonesien-Ausgabe einige ausführliche Zeilen gewidmet.



Mr. Michael, der "Botschafter" von Ambon

Gerade regnet es hier in Strömen, ich sitze unter einem riesigen Schirm im Freien und die Lautsprecheranlage des Muezzin nebenan scheppert ohrenbetäubend zum Gebet ;-) Endlich mal angenehm kühle Luft zum Durchatmen!

Zurück zu meinem heutigen Mammut-Trip :

Zunächst ging es mit GARUDA von Ambon nach Makassar, dem ehemaligen Ujung Padang, in Südsulawesi gelegen. Der Flug war streckenweise etwas holperig, und ich genehmigte mir gegen die Flugangst eine halbe Valium. Immerhin flogen wir durch die tropische Konvergenzzone direkt am Äquator entlang, und mir war der Absturz der Air Asia im Dezember im selben Gebiet leider nur allzu gut im Gedächtnis hängengeblieben.

Nach gut 90 Minuten Wartezeit ging es zum längsten Flugabschnitt der heutigen Reise, von Makassar nach Jakarta, diesmal ohne weitere Vorkommnisse. Von Jakarta flog ich nach weiteren zwei Stunden Transitzeit weiter nach Jogjakarta, eigentlich ein kurzer Flug von 50 Minuten. Aus mir unerfindlichen Gründen durften wir jedoch nicht landen und kreisten eine halbe Stunde über den Bergen vor Jogja... Nas das war was für mich, zumal das Wetter immer schlechter wurde...

Dann endlich durften wir landen, bevor es richtig anfing zu gewittern, und ich war heilfroh wieder Boden unter den Füssen zu haben!

Nun kurz zur Garuda Indonesia: Ich bin schlichtweg begeistert von dieser Airline, die völlig zurecht für ihren Service mit fünf Sternen von Skytraxx ausgezeichnet wurde. Sie ist zur Zeit die qualitativ beste Airline auf dem Luftverkehrsmarkt, auch auf Regional- und Domestikstrecken. Auf jedem Flugabschnitt gab es Fullservice, d.h. eine warme Mahlzeit, sogar heute Morgen in aller Herrgottsfrühe! Der Kabinenservice selber ist äußerst professionell, freundlich und zuvorkommend. Kissen und Decken auf jedem Platz sind selbstverständlich, ebenso einen privaten Bildschirm mit vollem Inflight-Entertainment an jedem Sitz, selbst auf dem kurzen Hüpfer JKT-JOG ! Davon könnte sich so manch ein Europäischer Carrier eine dicke Scheibe abschneiden, von den amerikanischen Airlines ganz zu schweigen.

Die Stewardessen in ihren traditionellen Indonesischen Uniformen, farbenfrohen Saris ähnelnd, sind hübsch anzusehen, und man wird immer wieder sehr charmant gefragt, ob man noch irgendwelche Getränkewünsche hätte. Keiner der Flüge war voll ausgebucht (zu meiner großen Freude, zum Leidwesen von Garuda, der es finanziell momentan nicht gut geht, wie ich heute in der "Jakarta Post" gelesen habe). Die in den Domestikmarkt drängenden Airlines wie Lionair oder Sriwijaya Air machen Garuda wohl sehr zu schaffen. Ich möchte dieser Fluglinie alles Gute gönnen, zumal sie in den letzten Jahren große Anstrengungen unternommen hat, von ihrem einstigen schlechten Image Abschied zu nehmen. Sie hat in den vergangenen fünf Jahren gewaltige Summen in eine komplett neue Flotte, die Infrastruktur und Ausbildung des Personals investiert.



Dirks Lieblingsairline

Am Flughafen in Jogja wurde ich vom netten Fahrer des kleinen Hotels in Borobudur abgeholt, und nach weiteren 90 Minuten quer durch das riesige Jogjkarta war ich für heute endlich am Ziel meiner heutigen Reise angekommen. Die lange Fahrtzeit nutzte ich, mit Hilfe meines Fahrers ein paar Vokabeln Bahasa Indonesia zu lernen.

Von weitem habe ich auch schon einen kurzen Blick auf die Tempel und Stupas von Borobudur erhaschen können, Ich bin wirklich gespannt auf den morgigen Tag und meinen ersten Besuch dieser weltweit größten buddhistischen Tempelanlage!

Gleich gibt es irgendetwas mit Tofu zum Abendbrot, ich lasse mich nur zu gerne überraschen :-)


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