AERTravel Blog - Ambon ist keine Reise wert

Ambon ist keine Reise wert

Ambon ist keine Reise wert

22.03.2015 22:20

AER Traveller Dirk bereist Ambon mit gemischten Gefühlen


Heute Morgen schwimmt unglaublich viel Müll in der Lagune herum, Plastikflaschen wohin man sieht... Ein trauriger Anblick. Vielleicht stammt der Abfall vom Pelni-Ship, das heute Morgen um 5 Uhr mit lauter Sirene von Papua aus kommend einlief. Ich wollte mir die Abfahrt um 7 Uhr nicht entgehen lassen, solch ein Riesenbrummer in der kleinen Lagune...

Vor der Anlegestelle hatte sich fast die gesamte Insel eingefunden, Marktstände wurden schnell improvisiert errichtet, ein emsiges Treiben in und um den Riesenkahn herum. Mit einiger Verspätung und nach gefühlter Ewigkeit war der Dampfer endlich abfahrbereit, zuvor waren Hunderte Menschen die Gangway hoch- und wieder herunterspaziert, nicht zu unterscheiden, wer nun Passagier, Angehöriger oder Händler war. Kein Mensch kontrollierte, keine Eingangskontrolle weit und breit.



Banda, vor der Abfahrt des Dampfers

Einige Leute sah ich diverse Male das Schiff betreten und auch wieder verlassen, hin und her, bis schließlich doch die Gangway ein letztes Mal hochgezogen wurde, aber nein: Jetzt kam noch ein Krankentransport mit zwei Verletzten an, die noch schnell auf den Dampfer verfrachtet wurden, dann ging es doch tatsächlich los.

Ich sah dem Schiff noch lange hinterher, bis es aus der Lagune verschwunden war. Irgendwie ein melancholischer Augenblick.



Großer Dampfer fährt aus kleiner Lagune

Dann schlenderte ich gemütlich wieder in das Dorf hinunter, sah noch einige Zeit dem geschäftigen Treiben des Marktes an der Bootsanlegestelle zu. Nun sitze ich auf der Terrasse meines Guesthouse und frühstücke erstmal. Mal schauen, ob das mit dem Bootsausflug um die Insel Api heute klappt, gestern Nachmittag war Mr. Jumar, der Housekeeper hier, zu müde für den Trip.

Kota Ambon, Zentralmolukken, 22.03.
Selamat Pagi ihr Lieben, guten Morgen aus Kota Ambon.

Ich bin also wieder zurück in der Stadt, in die ich eigentlich nicht wollte, aber leider hat es mit der Warteliste auf dem Flug der Susi Air am Montag nicht geklappt, bzw. das Risiko als Standby Passagier erst am Montag zu wissen, ob ich mitkomme oder nicht, war mir zu groß, da ich meinen GARUDA Flug am 24.03. nach Yogyakarta bekommen muss.

Die Verkehrsanbindungen von und nach den Bandainseln sind wahrhaft immer noch sehr rar, gemessen an europäischen Maßstäben und der Anzahl der Besucher, die sich auf den kleinen Inseln tummeln.

Ich nahm also sicherheitshalber das sogenannte Speedboat gestern Morgen um 9 Uhr. A ich am kleinen Hafen ankam, lag dort zu meiner Verwunderung das Kreuzfahrtschiff aus Australien, welches eigentlich laut Auskunft meines immer gut informierten Freundes Cinta auf Reede liegen sollte und die Passagiere mit kleinen Booten ausgeschifft und an Land gebracht werden sollten. Ich besorgte mir im kleinen Büro der Reederei das Ticket nach Ambon, stieg auf ein Motorrad und wurde zu einem entlegenen kleinen Anleger weit außerhalb des Dorfes am anderen Ende der Insel gefahren.

Die Überfahrt nach Teluhe auf Ambon dauerte gefühlte Ewigkeiten, nach ca. 6 stündigen Reise und interessanten Gesprächen mit meinen mitreisenden Bandanesischen Passagieren auf Deck, liefen wir schließlich bei strömenden Regen in Teluhe ein.

Doch gedanklich nochmals zurück nach Banda:

Mein letzter Tag in Banda Neira verlief sehr ruhig und gemütlich. Nachdem das Pelni-ship ausgelaufen war, und ich noch etwas Schlaf der letzten Nacht nachgeholt hatte, machte ich mich auf zu einem langen Spaziergang um die gesamte Insel herum. Am gegenüberliegenden Ende der kleinen Insel Banda Neira, der Nachbarinsel Banda Besar zugewandt, traf ich auf ein junge Frau namens Yani, die mich in ihr Haus einlud. Dort war die gesamte Familie im Wohnzimmer auf dem Fußboden damit beschäftigt, Muskatnüsse aus ihrer Roten Schale zu befreien und nach alten (guten) und jungen (weniger guten) Nüssen zu sortieren und frachtfertig zu verpacken.

In der gesamten Ansiedlung sind überall die Überreste der holländischen Kolonialherren zu entdecken. Teils stehen nur noch Mauerreste der Befestigungen und der alten kolonialen Villen, deren Steine und Mauern oftmals einfach in die neuen, von Bandanesen erbauten Häuser integriert wurden. Doch auch völlig von Dschungel überwucherte verlassene Überbleibsel der einst prächtigen Kolonialhäuser der Holländer stehen oft inmitten der verschiedenen, von den bandanesischen Einwohnern gegründeten Dörfern und Weihern.

Bereits am Vortag zeigte mir mein neuer Freund Cinta das alte, bereits von portugiesischen Seefahrern erbaute Fort Nelson, von dem nur noch die äußeren Befestigungsmauern und Tore erhalten sind. danach erkletterten wir das hoch über der Insel gelegene, gut erhaltene, Holländische Fort Belgica, von den Niederländischen Soldaten und Besatzern ab dem Jahr 1609 erbaut.

Da die Bandanesen nicht gewillt waren, sich den Holländern zu unterwerfen, und den lukrativen Handel mit Muskatnüssen, Kardamon, Nelken und anderen Gewürzen weiter auch mit den Arabern, den Chinesen und den Malaien unterhielten, wurden im 17. Jahrhundert 90% der Bewohner der Inseln von den Niederländern ermordet oder als Sklaven verschleppt. Die Niederländer "importierten" neue Arbeitssklaven von den andern Besitzungen wie Sulawesi, Kalimantan, Java, den Nordmolukken etc. Menschen mit verschiedenen Sprachen, Reliogionen und Kulturen. So entstand erst im Laufe der Jahrhunderte ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl der ethnisch bunt zusammengewürfelten neuen Bewohner des Banda-Archipels.

Ich beendete meinen letzten Abend zusammen mit Cinta auf der Terrasse meines Guesthous mit dem unbeschreiblich schönen Blick auf die nun ruhig daliegende Lagune und den gegenüber ruhenden Gunung Api.

Nach meiner Rückkehr von den Bandainseln wurde ich in Tulehu auf Ambon bei strömendem Regen von Mr. Michael in Empfang genommen, wir fuhren mit dem Taxi nach Kota Ambon und ich quartierte mich im Hotel Mutiara ein.

Das Hotel ist schäbig, verwohnt und die Räume schmuddelig, die Möbel verfleckt, und der Preis ist für Indonesische Verhältnisse exorbitant teuer, übrigens auch für mich und mein Reisebudget! Aber es hat immerhin WLAN, damit ich euch mal wieder schreiben und meine Mails checken kann. Eigentlich wollte ich keine Minute in dieser Absteige bleiben, aber bei 36 Grad und brütender, feuchter Tropenhitze schleppte ich mich zu 5,6 weiteren Hotels, alle in pseudo-westlichem Stil der 60er und 70er, ebenfalls vergammelt, muffig und verwohnt, überteuert sowieso. So entschied ich mich, doch im Mutiara zu bleiben, und bekam sogar einen "Superior-Room" mit 10 Prozent Rabatt von Mr. Dave, dem super-freundlichen und charmanten Rezeptionisten zur Verfügung gestellt. Ebenfalls schäbig und heruntergekommen, aber mit zwei Sesseln, die ich nicht brauche, und auf die ich mich nur im Schutzanzug setzen würde, wenn ich sie denn vorher gründlich desinfiziert hätte.

Hier wurde ich heute Nacht in meinem Zimmer auch zum ersten Mal so richtig von Moskitos zerstochen, ich hoffe nur, dass es keine Anopheles-Mücken waren, die die Malaria und das Dengue Fieber übertragen. In solch einem "schicken" Hotel dieser Preisklasse mit Aircondition hätte ich niemals vermutet von den kleinen Stechteufeln heimgesucht zu werden, deshalb hatte ich auch kein Mückenspray aufgelegt, welches richtig fies stinkt, auf der Haut brennt und bei mir am ganzen Körper Allergien verursacht ... Tja, drückt mir bitte die Daumen, dass es nur harmlose Moskitos waren ;-)

Ambon an sich entspricht in etwa der obigen Beschreibung des Hotels, in dem ich wohne. Es ist eine heruntergekommene und verwahrloste Großstadt, die größte Ansiedlung der gesamten Molukken, Handels- und Verwaltungszentrum, dreckig, stinkend, gesichtslos und laut. Lichtblicke sind immer wieder einzelne Menschen, denen ich hier begegne, z.B. gestern die beiden Jungs vom Hafenzoll, selber Fremde hier, aus Bandung auf Java stammend. Ich traf sie in der Pizzeria und sie luden mich zu sich an den Tisch. Wir lästerten zu dritt über Ambon und hatten dabei viel Spaß und Ablenkung.
Und vor allem der schon oben erwähnte, überaus charmante und eloquente Rezeptionist, Mr. Dave, der so reizend, hilfsbereit und zuvorkommend ist, dass ich alleine schon wegen ihm entschied, doch hierzubleiben. Er ist das strahlende Aushängeschild des ansonsten wirklich nicht erwähnenswerten Hotels in dieser nicht wirklich einladenden und hässlichen Stadt.

Heute Morgen gelang es mir, im gleich benachbarten Garuda-Office meinen Flug von Ambon nach Yogyakarta kostenlos (!!!) auf morgen früh umbuchen zu lassen. Juhu!
Ich habe mir erstmal eine Unterkunft in Borobodur, der weltweit größten erhaltenen Buddhistischen Tempelanlage, unweit von Yogyakarta besorgt. Das heißt auch, ich werde morgen die Molukken verlassen und zu meiner letzten Etappe aufbrechen, nach Java, dort im Speziellen Borobodur und Yogyakarta.

Ich gehe jetzt auf die Suche nach einem Friseur, sehe mittlerweile aus wie der wilde Mann aus dem Wald. Wallender, graustichiger Bart und Hippiefrisur, das geht gar nicht! (Wie mir übrigens auch Mr. Dave bestätigte).

Heute Nachmittag um 15h, nach Beendigung seiner Schicht, werde ich mit Mr. Dave eine kleine Spritztour unternehmen, an irgendeinen kleinen Strand, raus aus der stickigen Stadt, ich bin ihm sehr dankbar dafür :-)

Selamt Pagi aus Ambon


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