AERTravel Blog - Einmal rund um die Insel Ternate und einmal tief in die Vergangenheit

Einmal rund um die Insel Ternate und einmal tief in die Vergangenheit

Einmal rund um die Insel Ternate und einmal tief in die Vergangenheit

13.03.2015 16:41

AER Traveller lernt die Landschaft und die Geschichte der Insel Ternate kennen - und die Schwierigkeiten der Flugbuchung in Indonesien


Ihr Lieben zu Hause Selamat Malam !

dies ist nun schon mein dritter Tag hier in Kota Ternate, Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht, seitdem ich Berlin verlassen habe...

Ich habe es heute sehr ruhig angehen lassen, bin "zu Hause" geblieben und habe meine Unterkunft in vollen Zügen genossen. Das Haus heißt Villa Ma‘Rasai, ist ein wunderschön dekoriertes Gebäude aus der Zeit der Holländischen Kolonialtage hier auf den "Gewürzinseln". Es ist gerade 18 Uhr und ringsum beginnen die Muezzine zum Gebet zu rufen. Ich höre gerade bestimmt sechs verschiedene Muezzine, und trotzdem scheinen die Moscheen einigermaßen leer zu sein, wie ich von Mr. Hasrun, dem Besitzer meiner Unterkunft hörte. Die Menschen auf den Molukken scheinen es mit der Einhaltung der Gebetszeiten nicht allzu streng zu nehmen.

Gerade sitze ich im Garten der Vila Ma‘Rasai und nutze den Moment, in dem das WiFi mal kurze Zeit funktioniert, die meiste Zeit versuche ich vergebens, online zu kommen, ein echt sehr schwieriges Unterfangen hier.

Gestern lieh ich mir ein Motorrad von Mr. Hasrun, um auf eigene Faust die Insel zu umrunden. Ich wollte zunächst in groben Zügen einen Überblick über die Insel bekommen. An der Nordspitze der Insel machte ich Rast, um an einem Lavabeach etwas zu trinken. Nachdem mich eine Frau fragte, ob sie ein gemeinsames Foto mit mir machen könne waren wir plötzlich von einer ganzen Schar von Menschen umringt, die alle Fotos mit mir machen wollten. Wir hatten etwa vier Kameras in Betrieb, jeder wollte mal in einer anderen Konstellation mit auf das Foto, so dauerte es eine ganze Weile, bis wir die Session beendeten und wir uns verabschiedeten. Ich bin immer wieder aufs Neue überwältigt von der Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen hier, wie schon zuvor auf Sulawesi.




Einige der freundlichen Menschen vor der Kamera

Nach der Umrundung der Insel landete ich wieder in der Hauptstadt Kota Ternate. Hier herrscht stets ein hektischer Verkehr, tausende Motorbikes und Minibusse, die als Haupttransportmittel genutzt werden.

Ich habe inzwischen alle Scheu vor dem Verkehr hier verloren, es wird nicht aggressiv aber forsch gefahren. Manchmal passiert es, dass sich ein Motorrad hauteng an dir vorbeischlängelt, ich wohl etwas irritiert schaue, und der Fahrer sich dann lächelnd zu mir umdreht und alles ist wieder geritzt ;-)

Hier gibt es auch ein ziemlich großes Shoppingcenter. Dort fand ich einen Fotoladen, der tatsächlich die gleiche Batterie in einem der ausgestellten Kameras hatte, wie auch ich sie in meiner kaputten Kamera nutzte. Wir probierten aus und siehe da: Sie funktioniert wieder (juhu!).

Für den unglaublich stolzen Preis von 30 Euro wechselte die Batterie den Besitzer, und ich bin dankbar, dass ich die Kamera wieder nutzen kann.

Kota Ternate ist keine wirklich schöne Stadt sondern eben eben einfach das Geschäfts- und Verwaltungszentrum der Nordmolukken. Und trotzdem ist die Atmosphäre hier sehr angenehm und relaxed und die Aussicht vom Hafen auf den Vulkan der gegenüberliegenden Insel Tidore ist überwältigend. Tidore war in vorkolonialen Zeiten ebenfalls ein unabhängiges Sultanat wie Ternate und wird heute wieder von einem Sultan regiert. Die beiden Sultanate lebten in ständiger Rivalität um die Vorherrschaft über die Nordmolukken und den Handel mit den Gewürzen, irgendwann zu kolonialen Zeiten machte Ternate das Rennen und Tidore verfiel in einen Dornröschenschlaf, von dem es bis heute nicht wieder aufgewacht zu sein scheint Morgen werde ich mit meinem Bike auf diese Nachbarinsel übersetzen und Tidore auf eigenen Faust erkunden, ich bin schon sehr gespannt !

Inzwischen hat sich eine ältere Dame aus Irland bei mir im Guesthouse einquartiert. Eithne ist eine energiegeladene, reizende Lady, ich habe sie sofort in mein Herz geschlossen. Sie zählt 74 Lenze und bereist schon seit einigen Jahren jedes Mal einen anderen Teil Indonesiens. Gestern kam sie aus dem indonesischen Teil von Papua Neuguinea hier an. Morgen werden wir gemeinsam auf dem Bike nach Tidore aufbrechen.

Ein weiterer interessanter Nachbar ist ein älterer Herr aus den USA. Er ist Sprachwissenschaftler und hat lange in einem kleinen Dorf im Landesinneren von Halmahera, der großen Nachbarinsel von Ternate, gelebt und die verschiedenen Sprachen der dort lebenden Völker studiert. Er erzählte mir auch einiges über die jüngere Geschichte der Nordmolluken. Hier kam es in den 90iger Jahren zu heftigen Unruhen zwischen Christen und Moslems, der in einem Bürgerkrieg mit vielen Toten, Vertreibung und Zwangsumsiedlungen mündete. Es war sehr interessant, einmal aus erster Hand über die Hintergründe der damaligen Ereignisse informiert zu werden.

Lady Eithne erzählte von den winzigen Bandainseln, die auf halbem Weg zwischen Ambon in den Nordmolukken und der Nordküste Australiens liegen. Einst ein wichtiges Handelszentrum der Holländer für Muskatnuss und Nelken, geriet dieser kleine Archipel in den letzten Jahrhunderten in Vergessenheit, bis sich seit Beendigung der Unruhen auf den Molukken zu Beginn dieses Jahrhunderts zaghaft der Tourismus zu etablieren scheint. Zunächst wegen der Tauchgebiete, mittlerweile immer mehr auch für geschichtsinteressierte Menschen. Eithne berichtete mir, dass sie dankbar sei, jetzt noch auf den Inseln zu Gast gewesen zu sein, da sich der Archipel immer mehr zu einem Hotspot der Traveller weltweit entwickele....

Tja, das ließ ich mir nicht zweimal sagen, auch ich will diese Inseln gesehen haben, bevor sie eventuell erst von Travellern und dann vom Pauschaltourismus entdeckt und überrannt werden.

Also bin ich momentan am Organisieren, wie ich von Ternate nach Banda komme. Ein nicht einfaches Unterfangen, angesichts des immer wieder aussetzenden Internets. Immerhin habe ich schon einen Flug mit "Sriwijaya Air" von Ternate nach Ambon organisieren können. Man muss hier via Internet reservieren, um dann innerhalb einer Stunde zu einem Geldautomaten einer bestimmten Bank zu gelangen, von dem man dann einen Geldtransfer an Sriwijaya Air vornehmen muss. Anschließend bekommt man eine Bestätigungsmail mit dem Ticket zugesandt. Mr. Hasrun überwies das Geld für mich, d.h. er fuhr mit dem Motorrad spät am Abend zum nächsten Geldautomat um in meinem Namen die Überweisung von seinem Konto vorzunehmen. Anders funktioniert das hier nicht, wenn man keine indonesische Kreditkarte hat.

Heute Mittag besuchten mich zwei Studenten, um ihr Englisch zu verbessern und ein Interview mit mir zu führen. Sie wollte alles über mich und mein Leben in Deutschland wissen. Mansour, wie einer der beiden heißt, möchte mir übermorgen noch ausführlich die Insel zeigen, ich bin gespannt, ob es klappt.

Das Essen ruft, ich werde wie jeden Abend hier auf der Terrasse speisen, heute mit Eithne zusammen. Mr. Mansour und seine Frau, seine Nichte Hajar werden sich dann später zu uns gesellen. Hajar bereitet auch jeden Tag das Essen vor, sie lebte für kurze Zeit in München als Au Pair, so kann ich sogar ein wenig deutsch mit ihr sprechen.


Hajar und Wati, meine Gastgeberinnen auf Ternate

Selamat Malam und bis bald, euer Dirk

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  • Erstellt von AERTiCKET_SR In der Kategorie Indonesien am 13.03.2015 16:41:00 Uhr

    zuletzt bearbeitet: 29.03.2015 16:55
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